Anonym bloggen? Bist Du anonym im Internet?

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Anonym bloggen wollen viele, die die ersten Schritte im Internet wagen und einen eigenen Blog eröffnen. Zwar hört es sich spannend an, eine Webseite zu betreiben, Teil der Blogosphäre zu werden und sogar das Blog-Erstellen geht schnell von der Hand.

Doch das eigene Gesicht zeigen und aus dem Verborgenen treten? Nein. Bleiben wir lieber hinter der farbenfrohen Kulisse zurück, verstecken uns hinter der eigenen Schreibe und bloggen anonym. Vielleicht ersinnen wir uns ein schönes Pseudonym, wie etwa Kalinka Inkognito oder Wurzelgnom und hauen eifrig in die Tasten.

Ich selbst habe meinen ersten Blog anonym geführt und mich nicht der Öffentlichkeit präsentiert. Viel zu unsicher war ich damals, als dass ich meinen realen Namen, einen Lebenslauf oder gar ein Foto von mir offenbaren wollte. Immerhin kann so ein jeder nach diesen Daten googlen und findet ein ganzes Sammelsurium an Blogartikeln. Das wollte ich nicht und verkroch mich in die Anonymität.

Doch ist es überhaupt erlaubt, anonym zu bloggen? Wie verhält es sich dabei mit dem Recht und welche Dinge müssen wir bedenken, wenn wir anonym bloggen wollen? Dieser Artikel eräutert die Vorteile und Nachteile der Anonymität und gibt einen gebündelten Überblick, was im Internet erlaubt ist und welche Möglichkeiten es gibt, vollkommen anonym bloggen zu können. Auf geht’s…

Ist anonymes Bloggen möglich?

Anonym bloggen: Die Vorteile und Nachteile

Bevor ich mich damit befasse, was rechtlich erlaubt, verboten oder auch geduldet wird, möchte ich mich einmal mit den Vor- und Nachteilen des anonymen Bloggens befassen. Ich selbst denke zwar, dass wir hauptsächlich Nachteile durch das Verbergen unserer Identität haben, doch sollte das natürlich jeder selbst beurteilen.

  • Niemand kann unsere Spuren verfolgen. Klar. Dieser Vorteile liegt sprichwörtlich auf der Hand. Wenn wir unseren Namen im Internet nicht preisgeben, werden wir via Google oder anderen Suchmaschinen einfach nicht gefunden. das kann vorteilhaft sein, wenn wir in dubiosen Nischen unterwegs sind, Konkurrenten unsere Seiten nicht auf dem Präsentierteller offenbaren wollen oder über heikle Themen berichten. Von potentiellen Arbeitsgebern gar nicht zu sprechen.
  • Geld verdienen ist kompliziert. Wer mit seinem Blog das Ziel verfolgt, auch den ein oder anderen Euro zu verdienen, sollte sich das mit dem anonymen Bloggen zwei Mal überlegen. Denn wer den eigenen Blog versilbern möchte, ist in Deutschland auf ein Impressum angewiesen. Das gilt übrigens auch für die vielzähligen Test-Blogs, die auf Produktproben aus sind. Abhilfe kann kann hierbei ein Firmenname geben, der im Impressum zumindest keinen direkten Rückschluss auf die eigene Identität liefert.
  • Die anonyme Reputation. Es ist nun einmal so: ein Name schafft vertrauen und hievt einen Blogger gewissermaßen aus der Anonymität. Wenn ich nun über ein sehr spezielles Thema schreibe, kann ich mich mit Fachartikeln zu einem solchen positionieren und zu einer Größe in meiner Branche avancieren. das kann durchaus sinnvoll sein, wenn wir unseren Blog nicht nur für die eigenen Gedanken nutzen wollen.
  • Ein Name schafft Vertrauen. Ich habe gemerkt, dass mein eigener Name durchaus Vorteile hat und sich meine Leser nicht sofort über den Nuckel gezogen fühlten, wenn ich ihnen etwas empfohlen, versprochen und mitunter auch verkauft habe. Es ist wie im realen Leben; empfiehlt uns ein Bekannter eine Dienstleistung, schrecken wir kaum zurück, beim Vertreter sieht es allerdings anders aus.

Natürlich können auch noch andere Aspekte eine Rolle spielen, warum wir lieber anonym bloggen wollen. Beispielsweise denke ich an den Blog von FrauFreitag, die über ihren Alltag als Lehrerin an einer deutschen Schule schreibt. Dabei teilt sie aus und gewährt gleichermaßen tiefe Einblicke in ihre Erlebnisse. Das ist spannend und mittlerweile gibt es die Stories sogar in Buchform.

Der Erfolg gibt ihr Recht und wahrscheinlich ist es essentiell, dass anonym gebloggt wird. Immerhin wird hier aus dem Nähkästchen und Niederungen deutscher Klassenzimmer berichtet. Dabei wäre es sogar fatal, würde die Identität der Guten bekannt. Für sie und wohl auch für alle Beteiligten.

Darf man überhaupt anonym bloggen?

Anonym bloggen ist so eine Sache. Denn im Grunde müssen wir nicht angeben, wer wir sind. Schaut man einmal auf die deutsche Blogosphäre, wird auch ersichtlich, dass viele Mitbürger ein Pseudonym nutzen, um ihren Gedanken einen virtuellen Platz zu schaffen. Dennoch brauchen die ein oder anderen Blogger ein Impressum.

Ein Impressum (lat.impressum „Hineingedrücktes“ bzw. „Aufgedrücktes“) ist eine gesetzlich vorgeschriebene Herkunftsangabe in Publikationen, die Angaben über den Verlag,Autor, Herausgeber oder Redaktion enthält, vor allem um die presserechtlich für den Inhalt Verantwortlichen kenntlich zu machen. Quelle

Solch ein Impressum ist allerdings auch im Internet erforderlich, um den Inhaber einer Seite klar und erkenntlich zu zeigen. Hierbei gilt allerdings, dass prinzipiell nur Seiten ein solches benötigen, die „geschäftsmäßige Online-Dienste“ anbieten, was aus dem Telemediengesetz hervorgeht.

Das bedeutet, dass jeder, der auch nur eine kommerzielle Idee im Hinterkopf hat, das anonyme Bloggen unterlassen sollte, um keine Abmahnung zu kassieren.

Allerdings machen viele Seitenbetreiber den Fehler, das Gesetz an dieser Stelle nicht weiterhin zu berücksichtigen. Immerhin heißt es nämlich im Rundfunksstaatsvertrag, dass auch Inhalte, die redaktionellen Charakter haben und zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen können, der Impressumspflicht unterliegen.

Wer nun nachfragt, was das grundsätzlich meint, wird keine befriedigende Antwort erhalten. Denn bis dato ist das nicht wirklich eindeutig erklärt. Folglich ist jedem, der seinen Blog nicht ausschließlich privat nutzt, ein Impressum zu empfehlen. Anonym bloggen ist folglich wirklich nur dann rechtsmäßig, wenn wir ein paar eigene Fotos hochladen oder über unseren Kurztrip nach Mallorca berichten.

Wie kann ich anonym bloggen? Eine Anleitung…

Dennoch möchte ich in diesem Artikel gern erläutern, wie es überhaupt möglich ist, anonym zu bloggen. Denn bloß, weil wir auf unseren Namen verzichten, haben wir noch lange nicht unsere Identität verschleiert. Zwar reicht das in den meisten Fällen aus, doch wenn jemand gezielt darauf aus ist, unsere Identität zu offenbaren, müssen wir ein wenig geschickter vorgehen.

1. Eine kostenlose Blogsoftware nutzen

In dem Augenblick, wo wir eigenen Webspace registrieren, ist es um unsere Anonymität geschehen. Mit einer einfachen Who-Is-Abfrage lässt sich nämlich relativ einfach bestimmen, wer der Halter einer Domain ist. Das lässt sich auf den Seiten der DENIC wunderbar durchspielen, die ich schon ausführlich in meinem Artikel über Domainnamen vorgestellt habe.

Um uns vor diesem Zugriff zu schützen müssen wir also auf einen kostenlosen Anbieter ausweichen (blogspot, wordpress und Co) oder uns einer Who Is – Protection bedienen. Diese ist allerdings für .de Domains hinfällig und kostet außerdem einige Euro jährlich.

2. Private Angaben verschleiern, Fotos aussparen

Es sollte klar sein, dass wir, um wirklich anonym bloggen zu können, auf alle Angaben, die Rückschlüsse ermöglichen, verzichten sollten. Gerade bei Fotos empfiehlt es sich, die Metadaten zu entfernen. Beispielsweise hinterlässt jede handelsübliche Digitalkamera Spuren, die wir beseitigen können. Das Gleiche gilt auch für MP3 und ähnliche Dateien, die wir hochladen wollen.

Ein kostenloses Tool, um die Metadaten zielsicher zu entfernen, findest Du an dieser Stelle. Allerdings gibt es mit Sicherheit noch einige Alternativen. Einfach einmal Google befragen.

3. Das automatische Bloggen, um anonym zu bleiben

Wer nicht nur seine Identität, sondern auch seine Gewohnheiten verschleiern möchte, sollte auf das automatische Veröffentlichen von Artikeln zurückgreifen. Nahezu jede Blogsoftware ermöglicht es, Artikel zu einem bestimmten Zeitpunkt zu veröffentlichen und nicht sofort.

Beispielsweise nutze ich selbst diese Option häufig bei WordPress, wenn ich in den Urlaub fahre. Die Begründung ist hierbei, dass ich per Impressum klar über meine Identität Auskunft gebe und außerdem meine Adresse angebe. Es gibt viele schwarze Schafe und denen muss ich meine leere Wohnung nicht auf dem Präsentierteller offerieren.

4. Eine anonyme Mailadresse nutzen

Es ist schön und gut, wenn wir uns im Verborgenen bewegen und dann mit einer handelsüblichen Mailadresse Umgang pflegen. Da eine solche Allerdings für eine Registrierung bei WordPress und Co erforderlich ist, empfiehlt es sich, eine anonyme und einzigartige Mailadresse zu registrieren, um auch über die Grenzen des Blogs kommunizieren zu können und anonym zu bleiben.

Hierbei empfiehlt es sich, wie auch bei allen anderen Anwendungen, die wir online durchführen, auf TOR zurückzugreifen, um die eigenen Zugriffe vor jeglicher Auslesung zu schützen. Diese Software habe ich dir verlinkt. Einen Artikel zur Funktionsweise findest Du an dieser Stelle und auf Wikipedia.

Anonym bloggen? Reicht das aus?

Natürlich ist es nicht ganz so einfach, auf lange Sicht anonym zu bleiben. Mit Sicherheit gibt es auch Hürden und Hindernisse, die ich selbst gar nicht bedacht habe. Ich habe auf den wenigsten Projekten das erklärte Ziel, anonym zu bloggen, geschweige denn, meine wahre Identität zu verschleiern.

Auch der Bekanntheitsgrad eines Weblogs spielt selbstverständlich eine wichtige Rolle, wenn wir anonym bleiben wollen. Denn umso größer der öffentliche Druck respektive das Interesse an unserer Person ist, umso schwieriger ist es auch mit der Anonymität im Internet.

Dennoch denke ich, dass es grundsätzlich ausreicht, um Bekannte, Arbeitgeber und unliebsame Konkurrenten auszuschließen, wenn wir…

  • …einen Freehoster verwenden,
  • …uns mit einer anonymen Mailadresse registrieren,
  • …beim Bloggen auf private Angaben verzichten und
  • …unsere Gewohnheiten nicht unmittelbar preisgeben.

Ich selbst bin übrigens kein Freund davon, wenn Blogger ihre Identität verbergen. Ich weiß nämlich gern, mit wem ich es zu tun habe. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es wenig bringt, anonym bloggen zu wollen, da meines Erachtens die Nachteile überwiegen. Aber das kann ich natürlich nicht für andere Menschen entscheiden.

Außerdem würde ich mich freuen, wenn Du Deine Erfahrungen zum Thema Anonymität im Internet an dieser Stelle hinterlassen würdest und mir den ein oder andere Einblick geben würdest, warum gerade Du anonym bloggen willst…

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